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Abstimmung am 13. Juni 2021

Reitzel will sich nicht in die Politik einmischen oder Abstimmungsempfehlungen geben. Wir wollen hier nur die Folgen dieser beiden Initiativen auf unser Flaggschiffprodukt – Cornichons – erläutern:

29.04.2021

  1. Die Initiative «Trinkwasser und gesunde Ernährung»

Diese Initiative macht die Produktion ohne Pestizideinsatz zur Regel. Die Übergangsfrist soll acht Jahre betragen. Eine Produktion, die ganz ohne (natürliche oder synthetische) Pestizide auskommt, ist noch restriktiver als die derzeit geltenden BIO-Bestimmungen.

Wir haben bereits heute grosse Schwierigkeiten, Bioprodukte zu erzeugen, da unsere Pflanzen zahlreichen Angriffen ausgesetzt sind: Einerseits ist der Infektionsdruck durch Blattläuse, Wanzen oder Milben hoch, andererseits ist bei dieser Kulturpflanze ein Mehltau-Befall praktisch unvermeidlich. Um diesem Druck – zumindest teilweise – entgegenzuwirken und eine ausreichend grosse Menge von Cornichons produzieren zu können, müssen wir diese Kulturen durch den Einsatz natürlicher Mittel schützen, die gemäss dieser Initiative jedoch in Zukunft ebenfalls verboten wären.

 

  1. Die Initiative «Verbot synthetischer Pestizide für Produkte aus der Schweiz und importierte Lebensmittel»

Diese Initiative fordert, dass spätestens nach zehn Jahren alle heimischen oder importierten Produkte zu 100 % biologisch angebaut sein müssen.

Ist das möglich?

 

Nachfolgend einige Zahlen zu Reitzel und seinen Cornichons aus dem Jahr 2021:

  • Voraussichtliche Erträge aus der Schweiz: herkömmliche Produktion – 1000 Tonnen, Bioprodukte – 50 Tonnen. Der Anteil der Bio-Produkte beträgt bisher also 5 %. Wir tun alles, um den biologischen Anbau in der Schweiz voranzutreiben, aber bei einer derart anspruchsvollen Kulturpflanze benötigen wir dazu mehr Zeit.
  • Voraussichtliche Erträge / importierte Rohstoffe: herkömmliche Produktion – 1600 Tonnen. Bioprodukte – 490 Tonnen. Der Anteil der Bioprodukte beträgt bisher also 23 %. Wir mussten in den letzten 15 Jahren sehr für die Steigerung des Bio-Anteils auf dieses Niveau kämpfen.

 

Nicht vergessen sollten wir dabei auch, dass Reitzel für seine Marke HUGO ausschliesslich Schweizer Rohstoffe verarbeitet, und parallel dazu für seine anderen Marken und Kunden frische Rohstoffe aus Mitteleuropa importiert.

 

Sollte die Initiative angenommen werden, müsste man nach Berücksichtigung der oben genannten Mengenangaben die Anbaufläche sowohl in der Schweiz als auch in Europa praktisch verdoppeln, denn die BIO-Erträge liegen 30 bis 50 % unter dem Niveau des herkömmlichen Anbaus. Da zudem in bestimmten Anbaugebieten die Boden-, Klima- und Umweltbedingungen einen Anbau von Bio-Cornichons kaum zulassen, müsste man zwangsläufig auch neue Anbaugebiete erschliessen. Darüber hinaus müsste eine Dreijahresfrist für die Umstellung der Böden von konventionellem Anbau auf biologischen Anbau eingeplant werden.

 

Für eine Verdopplung der Anbauflächen, die Umstellung auf Bio-Anbau und den Einsatz von natürlichen Pestiziden anstelle der synthetischen Produkte erscheint eine Zehnjahresfrist als Übergangsphase zu kurz.

 

Fazit:

Was die erste Initiative angeht, so ist nach unserer Überzeugung eine Landwirtschaft ganz ohne (also auch ohne natürliche) Pflanzenschutzmittel vollkommen unrealistisch. Dies würde in den meisten Nahrungsmittelketten zu einer Versorgungsknappheit führen.

 

Die zweite Initiative will synthetische Pestizide verbieten. Reitzel schliesst sich generell dieser Meinung an, weil die Anbieter dadurch gezwungen werden, sich noch schneller einer «sauberen» Landwirtschaft zuzuwenden. Weshalb diese Initiative dem Schutz der Gesundheit, der Umwelt und der Landwirte selbst dienen würde.

Die vorgesehene Frist ist jedoch zu kurz und vollkommen utopisch.

 

Die parlamentarische Initiative «Das Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren» wurde im März 2021 von der Bundesversammlung beschlossen. Ihr Ziel ist es, bis 2027 die Risiken beim Einsatz von Pestiziden im Vergleich zum Durchschnittswert der vergangenen Jahre um 50 % zu reduzieren. Dies erscheint uns passender.

 

Wir verstehen die Ungeduld der Bürger*innen und Verbraucher*innen. Leider lässt sich die technische und wirtschaftliche Realität nicht leugnen.

 

Wir könnten der zweiten Initiative zustimmen, wenn die Frist 30 Jahre betrüge und die Mengenvorgaben zeitlich gestaffelt wären.

 

Leider will man mit dieser Initiative zu schnell zu viel erreichen. Wenn sie angenommen wird, wäre der mit ihr verbundene Zeitrahmen inakzeptabel. Dann würde eine Periode der Sondergenehmigungen und Ausnahmeregelungen beginnen, die letztendlich zur Regel werden.

Dies ist nicht erstrebenswert.